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Goch - Raus aus der Rolle Drucken E-Mail
Donnerstag, 1. Oktober 2009

Raus aus der Rolle

VON GUIDO SCHWARTGES - zuletzt aktualisiert: 01.10.2009

Goch (RP) Die 264 Schüler der St.-Georg-Schule Goch trainieren diese Woche als Artisten. Spielerisch lernen sie dabei soziale Kompetenzen und ungeahnte eigene Fähigkeiten kennen. Freitag, Samstag und Sonntag heißt es "Manege frei".

Eine Gruppe der Bodenakrobaten versucht sich an ihrer ersten Pyramide. "Tausendtraum"-Trainer Daniel Blunk (Mitte hinten) erklärt ihnen, wie es am besten geht. RP-Fotos (3): Klaus-Dieter Stade

Es ist mucksmäuschenstill in der Turnhalle der Gocher St.-Georg-Schule, allein die leise, einprägsame Stimme von Ralf "dem Gaukler" durchbricht die Stille. Außerhalb der Manege heißt er Ralf Derichs, aber dafür interessieren sich die knapp 20 Kinder, die mit ihm im Kreis sitzen, herzlich wenig. Es ist ihre erste Trainingseinheit, und "der Gaukler" erklärt ihnen die Spielregeln der Projektwoche mit dem Circus "Tausendtraum". Denn auch wenn es wie Spielerei aussieht, die Kinder sollen zusammen mit den Circusleuten etwas lernen.

Vorstellung als Team meistern

Und das Lernen beginnt bereits beim Sitzen im Kreis. Schüler aller vier Jahrgangsstufen harren bunt gemischt auf ihren großen Auftritt. Doch bis es soweit ist, müssen sie erst einmal die Erfahrung machen, dass sie die Vorstellung nur als Team meistern können. Daneben bekommen die Jungen und Mädchen die Gelegenheit, bisher unbekannte Fähigkeiten an sich zu entdecken, erfahren Wertschätzung und haben ein Erlebnis, das ihnen die Schule so sonst nicht bieten könnte. Für Schulleiterin Gisela Forstbauer sind diese Gründe völlig ausreichend, um sich das Projekt mit dem Circus "Tausendtraum" zu leisten. Denn es ist schon eine finanzielle Anstrengung, die der Förderverein gemeinsam mit allen Teilen der Schulgemeinschaft stemmen musste, bevor der Circustraum Wirklichkeit wurde.

Info

"Manege frei"

Die Ergebnisse der Projektwoche werden in vier Vorstellungen zu sehen sein. Die Aufführungen sind am Freitag, 2. Oktober, um 18 Uhr, Samstag, 3. Oktober, 14 und 18 Uhr, und Sonntag, 4. Oktober, 11 Uhr.

Karten gibt es heute und morgen von 13.10 bis 13.40 Uhr am Zelt auf dem Schulhof, und die Circuskasse öffnet jeweils eine Stunde vor den Vorstellungen zum Kartenverkauf.

Die Preise liegen ermäßigt bei vier Euro, für Erwachsene kostet der Eintritt sieben Euro.

Forstbauer hat der Circus durch sein pädagogisches Projekt überzeugt, die Schulkinder aber durch die neuen Möglichkeiten. "Es klappt super", ist Ralf Derichs nach der ersten Einheit begeistert, was einige der Kinder schon auf einem Ball balancierend und über das Drahtseil tänzelnd geschafft haben. Und auch Daniel Blunk, der nebenan die Bodenakrobaten und Jongleure trainiert hat, ist sehr zufrieden mit dem, was seine Schüler geleistet haben.

Begabungen entdecken

Und noch wichtiger für ihn: "Die Kinder können durch klassenungebundene Gruppen aus ihren Rollen raus." Das heißt, der Klassenclown müsse es während des Projekts nicht mehr sein und der, der immer drangsaliert werde, komme ebenso aus dieser Rolle raus. Dass auch die Lehrer lernen, ihre Schüler mit anderen Augen zu sehen und Begabungen zu entdecken, ist dabei einer der Kernpunkte des pädagogischen Konzepts im Schulcircus.

Aber nicht nur bei ihren Trainern, zu denen noch Olaf Spiers für die Fakire und Zauberer sowie Philip Astor für die Clowns gehören, beschäftigen sich die 264 Kinder der Schule mit dem Thema Circus. "Wir haben ein kreatives Rundumangebot dazu", sagt Gisela Forstbauer. Dazu gehören unter anderem die Gestaltung von Masken im Projektunterricht oder die Fertigung eines großen Filzbildes im Offenen Ganztag. "Vom sozialen Lernen her ist das eine einmalige Chance", ist die Schulleiterin überzeugt.

Fotos
Echte Fakire müssen auch auf Glasscherben stehen können.
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Wie ein Pinguin müssen die Kinder trippeln, um auf dem Ball zu bleiben.
Wie ein Pinguin müssen die Kinder trippeln, um auf dem Ball zu bleiben.